Portrait / Reitkunst
 

Leitgedanken zur Reitkunst

 

"Reitkunst - wenn zwei Geister wollen, was zwei Körper können."

 

Ich verstehe Reitkunst als Weg zur grösstmöglichen Harmonie mit dem Pferd. Die Reitkunst umfasst eine lange und sorgfältige Ausbildung des Reitpferdes mit dem Ziel, das Pferd unter dem Reiter in Balance zu bringen. Diese Essenz der Reitkunst hängt nicht von einzelnen erreichten Lektionen ab und ist rassen- und reitweisenunabhängig. Mit meinen Isländern sind schon Seitengänge im Trab und ein schön gesprungener Galopp eine  Herausforderung, ob sie je eine Piaffe oder Levade zeigen werden ist ungewiss und ansich unwichtig.

 

Reitkunst bedeutet, das Pferd im Rahmen seiner individuellen geistigen und körperlichen Möglichkeiten bestmöglich zu fördern und formen. Sie soll nie etwas Künstliches werden, sondern nur positiv kultivieren, was bereits im Pferd und seinen vielfältigen Bewegungsanlagen steckt. Das Pferd soll so natürlich wie möglich gehen und an Schönheit und Selbstbewusstsein gewinnen. Ein gut gerittenes Pferd lässt sich einfach erkennen, es ist bequem zu sitzen, immer.

 

"Die Dressur ist für das Pferd da, nicht das Pferd für die Dressur!"

 

Die Reitkunst bietet dem Pferd eine Aufgabe, die es bis ins hohe Alter mit Würde ausführen kann. Sie befähigt das Pferd, seinen Reiter ein langes Leben lang schadlos und mit Freude tragen zu können. Um das Rezept dazu bemühen sich Menschen tatsächlich schon seit Jahrtausenden. Viel wurde seither erforscht, festgehalten, wieder verworfen, missverstanden und wiederentdeckt. Ich habe mich mit verschiedenen klassischen Reitweisen befasst und die für mich schlüssige Auslegung in der akademischen Reitweise gefunden. Bent Branderup's Prinzipien der Reitkunst sind mein theoretischer Background, auf dem ich bis heute meine Pferdeausbildung aufbaue. Meine prägendste Reitlehrerin Karin Hass hat diese akademischen Prinzipien in Präzisionsarbeit verfeinert und äusserst stimmig in die Praxis umgesetzt.

 

"Richte dein Pferd gerade und reite es vorwärts."

 

Der geniale, aber häufig missverstandene Satz eines alten Reitmeisters umfasst die Essenz der akademischen Reitkunst. Die Geraderichtung des Pferdes ist Voraussetzung für Losgelassenheit, Balance und begleitet uns durch alle Ausbildungsstufen. Sie ist erreichbar durch eine korrekte Biegung und die Schulung der Seitengänge. Der Reiter führt die Hüfte des Pferdes zwischen seinen Schenkeln und dessen Schultern zwischen den Zügeln. Die Wirbelsäule ist durchlässig für dreidimensionale Bewegungen, wodurch das Pferd in allen Gangarten locker und mit schwingendem Rücken gehen kann.

Das Genick wird in Stellung zur Hüfte gebracht, um die Kraftübertragung aus der Hinterhand zu steuern. Kein Hinterfuss soll ausserhalb der Masse auffussen. Die Hinterbeine greifen möglichst weit unter den Schwerpunkt, um das Gewicht des Reiters aufzunehmen. Die Tragkraft der Hinterhand wird ausgebildet, während der Schub abgekürzt wird. Die Vorhand des Pferdes soll frei werden, durch das es sich in den Hanken setzt - während es immer bereit ist, sich vorwärts-abwärts zu dehnen und den leichten Kontakt zur Reiterhand sucht. Das Maximum an Tragfähigkeit und Balance kommt in den Lektionen der Hohen Schule zum Ausdruck.

 

Eliane Schütz                 CH- 4132 Muttenz                    +41 79 722 82 22            info(at)losgelassenheit.ch